
Liebe, Tod und Teufel

Nein, hier geht's nicht um irgendwelche "Mantel und Degen"-Abenteuerromantik oder dergleichen... sondern um Leben und Tod.
Irgendwie. Gewissermassen...
Freitag, 10. November 2000
Nachdem meine Mutter (6.6.1933) schon vorher gesundheitlich angeschlagen war (seit Monaten Rückenschmerzen von einem "Hexenschuss", was nie mehr besser wurde - und dann seit Wochen auch noch so komisches Bauchweh und Appetitlosigkeit), hat ein kleiner Schlaganfall (es "Schtreifli") dem ganzen noch die Krönung aufgesetzt. Als ich sie so gesehen habe, da habe ich schon befürchtet, dass dies der Anfang vom Ende ist...
... zumal ja schon länger (seit 1996) Befürchtungen da waren, es könnte wieder losgehen...
Der Arzt hat sie ins nächste Spital einliefern lassen; ich bin im Krankenwagen mitgefahren... und dort dann 1001 Untersuchungen...
Dienstag, 14. November 2000
Diagnose: Krebs. Unheilbar.
Und obwohl wir's ja schon geahnt haben, war's dann irgendwie schon ein Hammer, es definitiv zu wissen...
Sie lehnt jede weitere Behandlung ab, will keine blöden Tabletten und Infusionen mehr, die ihr wehtun... will nur noch nach Hause. Wir werden ihr das Morphin gegen die Schmerzen selber spritzen; zum Glück muss man da keine Venen suchen, die bei ihr ja so schlecht sind, sondern kann es einfach unter die Haut jagen... (Auweia, wo ich doch so einen Horror vor Spritzen hab!)
Samstag, 18. November 2000
Wir holen sie nach Hause. Ein vom Roten Kreuz gemietetes Spitalbett kommt in die Stube - denn Treppensteigen wäre wohl zu anstrengend. Drei Pillen nimmt sie jetzt doch noch, sonst würden die sie gar nicht nach Hause lassen.
In mehreren Beziehungen gesundheitlich angeschlagen... gar nicht lustig. Aber immerhin fühlt sie sich daheim wohler als im Spital.
Montag, 4. Dezember 2000
Als ich abends nach Hause komme ist sie praktisch schon nicht mehr ansprechbar... Leber-Koma... ist unruhig, ihre Augen sind offen, doch sie blinzelt nicht mal... Ojeee! Ist das noch ein menschenwürdiges Leben? Am Wochenende war noch die ganze Familie zu Besuch, erst gegen Sonntag Abend ging's ihr schlechter... Montag Abend halte ich noch ihre Hand, der Doktor wollte abends dann nochmal vorbeikommen... Die Morphin-Tropfen scheinen langsam zu wirken, denn ihr keuchender Atem wird ruhiger... dann plötzlich schiesst dunkles, fast schwarzes, Blut aus Nase und Mund... ich fühle keinen Puls mehr... sie ist tot, ihr Leiden hat ein Ende.
Der Arzt kommt, untersucht sie nochmal und bescheinigt ihren Tod. Ja, sie kann kremiert werden, wie sie es gewünscht hat...
Meine Brüder trudeln ein, auch noch ganz fassungslos... der Leichenbestatter ist auch gleich gekommen.
Sie wird gewaschen, eingeölt und angezogen (mit einem roten Rollkragenpullover, den sie mir schon vor Jahren mal abgeluchst hat - und mit einer schwarzen Stretchhose, die ich ihr für die Rehaklinik geliehen hatte; da hat sie schon gesagt, die wäre ihr so bequem, die bekäme ich wohl nicht mehr wieder... und dann natürlich noch ihre geliebten Filzpantoffeln!)... und dann hieven wir sie alle zusammen vom Bett in den Sarg. Sie bleibt bei uns auf der Terrassenstube aufgebahrt, bis sie dann zur Kremierung abgeholt wird. Und die Todesanzeige muss natürlich auch noch aufgesetzt werden...
Mittwoch-Nachmittag lassen wir die Leiche vom Bestatter abholen, der bringt sie nach Aarau, wo der Termin für die Kremierung auf Donnerstag-Morgen festgelegt worden ist. Donnerstag-Nachmittag holt Brüderchen die Urne in Aarau ab.
Den Blumenschmuck für die Urne mache ich Freitags selber; ich rupfe einfach ein paar Sachen aus dem Garten... und zur violetten Schleife (In Liebe - Deine Familie) passen ein paar violette Schmetterlinge, die ich noch dazustecke.
Samstag, 9. Dezember 2000
Zum Abdankungsgottesdienst haben sich auch einige Verwandte eingefunden. Mir kommen wieder mal die Tränen...
Auweia, warum trifft sich die Verwandtschaft eigentlich meistens bei Beerdigungen? Hmmm...
Liebe
An erster Stelle kam für mich Mutschka, meine Mutter Katharina; sie war natürlich von klein auf immer der wichtigste Mensch in meinem Leben, die erste Bezugsperson. Mit ihr konnte ich auch später über alles reden; was jedoch nicht heissen soll, dass ich das auch immer getan hätte... aber wir haben uns immer gut verstanden.
Väterchen und meine Brüder...
und die übrigen Verwandten...
Freunde...
und Bekannte... rangierten in meiner Zuneigung (auch wenn ich über meine Sympathien selbstverständlich nicht Buch führe) mit mehr oder weniger grossem Abstand.
Wie auch immer... Mit dem Wort "Liebe" bin ich ja sowieso schon immer sehr vorsichtig umgegangen.
Ich liebe Mutschka und meine Familie...
... doch darüber hinaus (also gegenüber "Fremden" bzw. "Nicht-Familienmitgliedern") habe ich immer gezögert, diesen Begriff zu verwenden, auch wenn andere einander ständig ein "I love you!" oder ähnliches in die Ohren hauchen sollten (wäre nicht so mein Stil)... doch ansonsten bin ich mit meinen Sympathien nicht so geizig und es gibt durchaus einige Leute, die ich richtig gerne mag.
Tod...
Was passiert wohl nach dem Tod? Entfleucht die Seele in den Himmel oder bleibt sie noch ein Bisschen bei uns... oder wird die Seele eines Tages in einem anderen Körper wieder geboren? Jedenfalls ist mir persönlich der Gedanke an Reinkarnation sympathischer als irgendwas mit Fegefeuer u.ä. ...
Wenn mir da wegen Mutschka ständig die Tränen gekommen sind, war das wohl ehrlicherweise mehr, weil sie mir nun einfach fehlt, und weniger, weil ich mir irgendwelche Sorgen um ihr Seelenheil machen würde...
... und Teufel
Das Böse lauert immer und überall... aber Teufel?! Soll sich bloss kein Teufel in meine Nähe trauen, verdammt nochmal!
Oder andersrum: Wenn ich mir manche Menschen so anschaue... wozu braucht's da eigentlich noch einen Teufel?! Die Menschen schaffen es auch alleine ganz gut, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen - oder sind diese Zustände etwa alle das Werk des Teufels?!
Überhaupt scheinen Himmel und Hölle irgendwie relativ zu sein... Alles ist relativ!

Übrigens... DIAGNOSE KREBS
Womöglich ist wirklich was dran, an dem, was ich mal gelesen habe: Leute mit der Blutgruppe A und besonders AB sind anfälliger für Krebserkrankungen.
Ich selbst habe ebenfalls die seltene Blutgruppe AB, wie meine Mutter...
Allerdings will ich mich nicht jetzt schon damit verrückt machen, ob ich vielleicht irgendwann auch mal krank werde... trotzdem werde ich inskünftig wohl noch etwas mehr auf meine Gesundheit achten.
Jedenfalls bin ich doch gleich mal in so eine Natur-Apotheke gegangen und habe mir Echinacea- und Mariendistel-Tropfen besorgt (Das eine soll gut für's Immunsystem sein, so dass mich hoffentlich nicht gleich jede Erkältung erwischt - und das andere ist gut für die Leber zur Entgiftung des Körpers)... na mal sehen, ob ich mich dann gesünder fühle!
